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Top 5 – die größten deutschen Rüstungskonzerne im Vergleich

21. August 2012

Top 5 – die größten deutschen Rüstungskonzerne im weltweiten Vergleich

Airbus Group (ehemals EADS)


Im Jahr 2012 verkaufte der Konzern Airbus Group (damals EADS) Waffen und sonstige Rüstungsgüter im Wert von 15,4 Milliarden US$[1]. Damit ist Airbus Group der siebtgrößte Rüstungskonzern der Welt.

Airbus Group ist in drei Geschäftsbereiche gegliedert: Airbus, Airbus Defence and Space und Airbus Helicopters. Airbus Group betreibt europaweit zahlreiche Standorte; in Deutschland u.a. in Hamburg, Bremen, Donauwörth, Manching, Ulm, Ottobrunn und Kassel.

Zum 31.12.2013 befanden sich die Anteile an Airbus Group im folgenden Besitz: Deutschland hält über die KfW (83,96%) und andere öffentliche Körperschaften (16,04%) in der GZBV (Gesellschaft zur Beteiligungsverwaltung GZBV mbH & Co. KG) 10,94% , Frankreich über SOGEPA (

Société de
Gestion de Participations Aéronautiques

Société de Gestion de Participations Aéronautiques) 11,99% und Spanien über SEPI ( Sociedad Estatal de Participaciones Industriales) 4,13%. Der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz.

2013 wurden die Sparten des Unternehmen umstrukturiert, der Name EADS in Airbus Group sowie u.a. im Rahmen des „Multiparty Agreement“ und „Shareholders’ Agreement“ die Anteilseignerstruktur geändert. (2013 REPORT OF THE BOARD OF DIRECTORS OF EADS N.V. S.5)

Mit Ausnahme der zivilen Airbus-Sparte stellen alle Bereiche Rüstungsgüter oder militärisch anwendbare Produkte her. Cassidian baut u.a. Lenkflugkörper und Verteidigungselektronik. Die Sparte Eurocopter produziert Hubschrauber zur zivilen sowie zur militärischen Verwendung. Zu den neuesten Entwicklungen zählen der Kampfhubschrauber Tiger und der NATO-Helicopter 90 (NH 90). Airbus Military verkauft Tankflugzeuge auf der Basis der zivilen Airbus-Flugzeuge A 310 und A 330. Gegenwärtig entwickelt und erprobt Airbus auch den Militärtransporter A 400M. Astrium produziert u.a. militärische Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten.

Der Konzern setzt zunehmend auf den Export seiner Militärtechnologie. Saudi-Arabien bestellte 2010 bei (damals) EADS ein komplettes System zur Sicherung seiner Außengrenzen im Wert von mehreren Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren musste EADS bei seinen Exportbemühungen zwei herbe Rückschläge hinnehmen. Im Frühjahr 2011 entschied das US-Verteidigungsministerium nach einem langjährigen Bieterverfahren einen Auftrag über 179 Tankflugzeuge im Wert von rund 35 Milliarden US$ nicht an EADS, sondern an den Konkurrenten Boeing zu vergeben. Anfang 2012 unterlag EADS darüber hinaus mit dem Eurofighter Typhoon bei der indischen Ausschreibung für 126 Mehrzweckkampflugzeuge (Auftragswert über 10 Milliarden US$) dem französischen Konkurrenten Dassault Aviation, der die Rafale anbot.

Rheinmetall

Im Jahr 2010 fanden Waffen und sonstige Rüstungsgüter der Düsseldorfer Rüstungsschmiede im Wert von 2,66 Milliarden US$ Abnehmer weltweit. Rheinmetall erreichte damit Platz 31 unter den größten Waffenherstellern der Welt.

Der Konzern ist in zwei Bereiche unterteilt: Automotive, die zivile Sparte, und Defence. Beide Bereiche tragen ungefähr zur Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Allerdings trug die Rüstungssparte aufgrund des weltweiten Absatzeinbruchs im Automarkt in den vergangenen Jahren den wesentlich größeren Teil zum Gewinn bei. In Deutschland produziert Rheinmetall u.a. an den Standorten Bremen, Kiel, Kassel, Unterlüß, Oberndorf, Nürnberg und München

Die Rheinmetall AG befindet sich zu 75% in Streubesitz, die restlichen Anteile halten institutionelle Anleger wie z.B. DWS Investment, eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank.

Rheinmetall ist hauptsächlich im Bereich Heereswaffen tätig. Zu den bekanntesten Produkten der Düsseldorfer zählen der Kampfpanzer Leopard, der Schützenpanzer Marder, aber auch das Maschinengewehr MG3. Des Weiteren baut der Konzern Luftabwehr- und Radarsysteme. Im Jahr 2009 bestellte das Bundesverteidigungsministerium 410 Schützenpanzer des Typs Puma, dem Nachfolger des Marders, den Rheinmetall gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann herstellt. Der Auftrag hatte ein Volumen von 3,1 Milliarden €. Spekulationen, dass die Bundeswehr diese Stückzahl aufgrund ihrer Umstrukturierung und des Spardrucks nicht abnehmen könnte, materialisierten sich im Juli 2012. Das Bundesministerium der Verteidigung und die beiden Hersteller einigten sich auf eine Reduzierung der Bestellung auf 350 Stück. Rheinmetall beliefert die Bundeswehr auch mit Munition diverser Typen, die diese u.a. im Krieg in Afghanistan einsetzt.

Der Konzern richtete sich in den vergangenen Jahren verstärkt international aus. Hierfür wurden weltweit eine Reihe von Rüstungsunternehmen aufgekauft. Rheinmetall übernahm beispielsweise im Jahr 2008 den südafrikanischen Munitionshersteller Denel Munition. Dadurch verschaffte sich der Konzern verstärkten Zugang zu den Absatzmärkten in Afrika und im Mittleren Osten, die Denel traditionell beliefert.

Gegenwärtig baut Rheinmetall in Algerien eine Lizenzproduktion des Transportpanzers Fuchs auf.

Krauss-Maffei Wegmann

Krauss-Maffei Wegmann (KMW) erlöste mit dem Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern im Jahr 2010 1,59 Milliarden US$. Damit ist KMW der 52. größte Waffenhersteller der Welt.

KMW ist nicht börsennotiert. Der Konzern befindet sich im Privatbesitz. Maßgebliche Anteilseigner sind die Familien Bode und von Braunbehrens.

KMW ist zusammen mit Rheinmetall der bedeutendste Lieferant für die Bundeswehr im Bereich der Heereswaffen. Der Konzern produziert u.a. den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, den Schützenpanzer Puma, den Panzerspähwagen Fennek und die gepanzerten Transporter Dingo und Boxer. Die Bundeswehr setzt im Krieg in Afghanistan u.a. den Dingo, aber auch die Panzerhaubitze ein.

KMW war und ist äußerst aktiv im Export seiner Produkte. Die Kampfpanzer Leopard 1 und 2 wurden in zahlreiche Länder exportiert. Beispielsweise haben Chile, Griechenland, die Türkei und Kanada den Leopard 2 in ihrem Arsenal. Gegenwärtig sind u.a. die Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar am Erwerb des Leopard 2 interessiert. In früherer Zeit hatten die Bundesregierungen mit Rücksicht auf Israel die Genehmigung eines solchen Exports in die Krisenregion verweigert.

Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp verkaufte im Jahr 2010 Waffen und sonstige Rüstungsgüter im Wert von 1,34 Milliarden US$. Thyssen-Krupp nimmt damit Platz 56 in der Liste der weltweit größten Waffenhersteller ein. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält 25,33% des Grundkapitals, weitere institutionelle Anleger halten knapp 55%, Privatanleger 10%. Weitere rund 10% sind eigene Aktien. Das Unternehmen entstand im Jahr 1999 aus der Fusion der Konzerne Thyssen und Krupp. Beide produzierten bereits vor der Fusion seit Jahrzehnten Waffen – hauptsächlich Heereswaffen bzw. Komponenten für diese.. Heute erzielt der Konzern jedoch den größten Teil seines Umsatzes im Waffengeschäft mit Kriegsschiffen, die die im Jahr 2005 gegründete Tochtergesellschaft ThyssenKrupp Marine Systeme (TKMS) baut. Zu TKMS gehören die deutschen Werften Blohm und Voss in Hamburg, Nordseewerke Emden und die Howaldtswerke (HDW) in Kiel. Weiterhin befindet sich der schwedische Marineschiffbauer Kockums im Besitz von TKMS.

TKMS baut Über- und Unterwasserschiffe sowohl für die Bundesmarine wie auch für den Export. Zu den maßgeblichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zählen die U-Boote der Klasse 212/214, die Fregatten der Klassen 124 und 125 sowie die Korvetten der Klasse 130 und 131. Insbesondere die U-Boote haben sich als „Exportschlager“ erwiesen. Von der Klasse 214 haben Griechenland sechs, die Türkei ebenfalls sechs und Südkorea neun Boote bestellt.

Zwei Exportvorhaben von TKMS zogen in den letzten Jahren besondere Kritik auf sich: der Verkauf von sechs Booten der Dolphin-Klasse an Israel und der beabsichtigte Export von drei Booten der Klasse 214 nach Pakistan. Die Kritik an dem Israel-Geschäft entzündete sich an der Fähigkeit der Boote, atomar bewaffnete Marschflugkörper abzufeuern, was diese U-Boote zu einer atomaren Zweitschlagswaffe macht. Über diese technische Fähigkeit könnten auch die U-Boote verfügen, die TKMS beabsichtigt, an Pakistan zu verkaufen. Neben der generellen Gefahr, die von einer solchen Fähigkeit ausgeht, droht die Lieferung solcher Einheiten den Rüstungswettlauf zwischen Indien und Pakistan zu verschärfen. Kritiker betonen darüber hinaus, dass dieses Geschäft mit einem hohen Risiko für die deutschen Steuerzahler verbunden ist: Dieser bürgt nämlich dafür in Form einer Hermes-Kreditausfallversicherung, die die Bundesregierung für das TKMS-Verkaufsvorhaben ausgestellt hat. Ob der Verkauf der drei U-Boote an Pakistan letztlich realisiert wird, ist mittlerweile äußerst fraglich.

Im Oktober 2010 unterzeichnete ThyssenKrupp eine Absichtserklärung mit Abu Dhabi MAR, einer Gesellschaft aus Abu Dhabi: Die Parteien beabsichtigten die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zum Bau von militärischen Überwasserschiffen. Gleichzeitig kam man überein, dass Abu Dhabi Mar 80% von Blohm und Voss Shipyards, Blohm und Voss Repair und Blohm und Voss Industries erwirbt.Im Juli 2011 zerschlugen sich die Verkaufs- und Kooperationspläne jedoch. TKMS verkaufte schließlich den zivilen Teil seiner Werftaktivitäten an die britische Star Capital Partners und betreibt den militärischen nun alleine weiter.

Diehl Defence

Die Diehl Defence erlöste mit dem Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern im Jahr 2010 1,21 Milliarden US$. Damit ist der Konzern auf Platz 63 der Waffenhersteller der Welt. Hauptsächlich stellt die militärische Sparte der Diehl-Gruppe, die auch zahlreiche zivile Produkte produziert, Lenkflugkörper und Munition sowie Abwehrsysteme für Flugzeuge und Landsysteme her. Die Diehl-Gruppe ist vollständig im Besitz der Familie Diehl. Der Konzern produziert in Deutschland an den Standorten Überlingen, Nürnberg und Nonnweiler bei Saarbrücken.

Lenkflugkörper und Munition des Konzerns gehören zur Standardausstattung der deutschen Streitkräfte. U.a. wird der Eurofighter mit der Diehl-Entwicklung Iris (als Luft-Luft-Rakete und als Luft-Boden-Rakete) bewaffnet. Für die Panzerhaubitze 2000 liefert Diehl die Munition SMArt 155mm und für den Kampfhubschrauber Tiger die Panzerabwehrrakete PARS 3 LR. Gegenwärtig entwickelt der Konzern den Flugkörper IDAS, die es U-Booten ermöglichen soll, Luftziele zu bekämpfen. Ebenfalls in der Entwicklung befindet sich das Superkavitationstorpedo Barracuda.

Diehl Defence ist global präsent, u.a. beliefert der Konzern Indien und Pakistan und zahlreiche Staaten in Europa.

(Stand: August 2012)


[1] Diese Angabe wie auch die folgenden zum Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern durch deutsche Rüstungskonzerne sind dem SIPRI-Jahrbuch 2012 entnommen: The SIPRI Top 100 arms-producing companies worldwide excluding China, 2010. S.251-256.