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Deutsche Rüstungsindustrie

01. Januar 2015

Haupt-Exportgüter und die größten deutschen Rüstungsunternehmen

Aus dem Ja zur deutschen Wiederbewaffnung Anfang der 1950er Jahre folgte auch die Entscheidung, eine nationale Rüstungsindustrie wieder aufzubauen. Waffen aller Gattungen werden seitdem produziert und auch exportiert: für die Luftwaffe, die Marine und das Heer. Aber nicht nur komplette Waffen, sondern auch Komponenten, Software und andere so genannte sonstige Rüstungsgüter werden im großen Umfang exportiert. Im Hinblick auf die Verbreitung deutscher Militärtechnologie ist zudem die Vergabe von Lizenzen von großer Bedeutung.

Zahlreiche Unternehmen verdienen direkt oder indirekt am internationalen Handel mit Waffen und anderen Rüstungsgütern. Die größten Produzenten in Deutschland sind  Airbus Group (ehemals EADS), Rheinmetall,  Krauss-Maffei Wegmann, Thyssen-Krupp und Diehl-Defence. mehr >>

Waffen für Landstreitkräfte

Kampfpanzer Leopard 1 und Leopard 2

Das prominenteste Beispiel für Exporte dieser Waffengattung sind die Kampfpanzer Leopard 1 und Leopard 2. Der Leopard 1 ist der erste nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik entwickelte Kampfpanzer. Der Panzer wurde von dem Unternehmen Krauss-Maffei (heute Krauss-Maffei Wegmann, KMW) als Generalunternehmer hergestellt. 1965 wurde er von der Bundeswehr in Dienst gestellt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurden über 4.700 Fahrzeuge produziert: Die Bundeswehr nahm rund 2.400 ab, die restlichen Panzer wurden exportiert. Unter anderem verfügten und verfügen die Streitkräfte Kanadas, der Niederlande, der Türkei und Griechenlands, Chiles und Brasiliens über den Leopard 1. Noch heute bietet Krauss-Maffei Wegmann (KMW) Nachrüstsätze für diesen Panzertyp an.[1]

Krauss-Maffei Wegmann entwickelte in den siebziger Jahren auch den Leopard 2. Der Konzern fungiert auch bei diesem Panzertyp als Generalunternehmer. Das Unternehmen Rheinmetall ist Ko-Produzent und steuert u.a. die Hauptbewaffnung, die 120mm-Glattrohrkanone und das Feuerleitsystem bei. Das Feuerleitsystem ermöglicht es der Besatzung, während der Fahrt bewegliche Ziele zu bekämpfen. Rheinmetall produziert auch die Munition für den Leopard 2, den Motor für den Panzer liefert MTU. Die Bundeswehr stellte den Panzer im Jahr 1979 in Dienst.

KMW hat bislang über 3.000 Exemplare gefertigt, Rheinmetall weitere 1.400. Wie auch bei dem Vorgängermodell ist der Exportanteil hoch. Zahlreiche Streitkräfte weltweit haben den Leopard 2 im Arsenal: in Europa sind es Griechenland, die Türkei, Finnland, Norwegen, Dänemark, Schweden, Schweiz, Spanien, Portugal, Polen, Österreich, die Niederlande; in Asien Singapur; in Südamerika Chile; in Nordamerika Kanada. Kanada setzt den Leopard 2 gegenwärtig in Afghanistan ein. Zur Zeit ist auch Katar am Erwerb des Panzers interessiert.

KMW und Rheinmetall entwickeln den Leopard stetig weiter. Die modernste Variante ist der Leopard 2 A7+. Er ist optimiert für den Einsatz in asymmetrischen Konflikten. Er verfügt über einen verstärkten Schutz gegen Sprengfallen und ist besonders ausgelegt für den Einsatz in städtischen Gebieten.

Waffen für die Marine

Auch die deutsche Marineindustrie ist exportorientiert. Die Unternehmen stellen dabei Waffen und sonstige Rüstungsgüter für das gesamte Fähigkeitsspektrum her. Während in den vergangenen Jahren keine Auftragseingänge für große Überwassereinheiten wie Zerstörer und Fregatten zu verzeichnen waren, boomt der Verkauf von U-Booten.

U-Boote

Einziger Anbieter für U-Boote ist in Deutschland Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS). Gefertigt werden sie auf den Werften von Howaldtswerke Deutsche Werft GmbH (HDW) in Kiel und den Nordseewerken GmbH in Emden (beide Werften gehören zu TKMS). Neueste Entwicklung von TKMS für den Exportmarkt ist die U-Boot-Klasse 214.[2] Herausragendes technisches Merkmal dieses Typs ist der außenluftunabhängige Antrieb. Dieser Antrieb ist eine Entwicklung von HDW, für den Siemens die notwendigen Brennstoffzellen sowie Steuer- und Überwachungseinrichtungen zuliefert. Die HDW-Entwicklung ist ausgesprochen leise, was sie äußerst schwer ortbar macht, und ermöglicht gleichzeitig lange Tauchfahrten, welche nur von atomar angetriebenen U-Booten übertroffen wird. Neben der klassischen Seekriegsführung ist der Typ 214 für Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben geeignet. Gegenwärtig verfügt er über die Fähigkeit zur Bekämpfung von Zielen auf See und an Land.[3]

Als Export-Klasse löst 214 den Typ 209 ab. Dieser hat sich seit den 1960er Jahren als Exportschlager erwiesen. In verschiedenen Varianten stehen oder standen insgesamt 63 im Dienst der Marinen Argentiniens, Brasiliens, Chiles, Ecuadors, Perus, Venezuelas, Griechenlands,  der Türkei, Indiens, Indonesiens, Südkoreas, Israels[4] und Südafrikas.

Auch der Typ 214 wird massiv exportiert. Griechenland, die Türkei, Portugal und Südkorea haben das U-Boot bereits in Dienst gestellt. Insgesamt hat TKMS für den Verkauf von zwanzig Booten Verträge geschlossen oder Ausschreibungen gewonnen. Weitere Staaten zeigen Interesse. Für den Export von drei U-Booten nach Pakistan hat die Bundesregierung bereits eine Hermes-Bürgschaft bewilligt. Der Regierungswechsel in Pakistan, die äußerst angespannte wirtschaftliche Lage des Landes sowie das französische Konkurrenzangebot von DCNS haben einen Vertragsabschluss aber bislang verhindert.

Wie Pakistan ist auch Indien an dem Typ 214 interessiert. Gegenwärtig (Stand 01/2011) läuft eine internationale Ausschreibung für neue U-Boote für die indische Marine, an der sich TKMS wie auch DCNS mit hoher Wahrscheinlichkeit beteiligen werden. In der indischen Ausschreibung wird die Fähigkeit zum Abschuss von Marschflugkörpern als technisches Merkmal explizit aufgeführt.

Waffen für Luftstreitkräfte

Im Gegensatz zu Systemen für Heer und Marine ist die Bundesrepublik bei Flugzeugen nicht eigenständig. Kampf- und Transportflugzeuge neuer Generationen sind europäische Entwicklungen unter deutscher Beteiligung. Der Weg hin zu multinationalen Projekten wurde ab Ende der 1960er bzw. zu Beginn der 1970er Jahre beschritten. Maßgeblich für die Abkehr von rein nationalen Lösungen sind die hohen Kosten bei der Entwicklung von Flugzeugen und die relativ geringe Stückzahl, die ein Land abnehmen kann.

Jagd- und Schulflugzeuge – der Alpha-Jet

Das erste realisierte multinationale Projekt mit deutscher Beteiligung stellt der deutsch-französische Alpha-Jet dar. Das leichte Jagd- und Schulflugzeug wurde Ende der 1970er Jahre bei der Luftwaffe in Dienst gestellt. Die Entscheidung, dass Flugzeug gemeinsam mit Frankreich herzustellen, führte auch zu einer Zäsur in der deutschen Rüstungsexportpraxis. Da Frankreich von Beginn an auch den Export des Alpha-Jets plante, lockerte die Bundesrepublik im Herstellungsvertrag die eigenen rüstungsexportpolitischen Standards. So fanden deutsche Technologie und Komponenten ihren Weg auch in Ländern, die die Bundesrepublik davor nicht beliefert hatte. Zu den Käufern des Alpha-Jets zählten u.a. Ägypten und Katar, die Elfenbeinküste, Kamerun und Marokko.

Mehrzweckkampfflugzeuge – Tornado und Eurofighter

Der Eurofighter ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien. An dem Herstellerkonsortium ist Deutschland über Airbus Group (ehemals EADS) beteiligt. An alle vier Staaten wird das Kampfflugzeug gegenwärtig ausgeliefert. Im Zeichen schrumpfender Verteidigungsbudgets werden die vier Staaten nicht alle ursprünglich bestellten Maschinen tatsächlich abnehmen.

Das Herstellerkonsortium bemüht sich gegenwärtig um Exportkunden. Österreich und Saudi-Arabien haben den Eurofighter bereits erworben. An mehreren Ausschreibungen hat sich das Konsortium beteiligt, u.a. einer indischen über den Kauf von 126 Kampfflugzeugen mit einem Auftragswert von ca. 11 Milliarden US$. Weitere Interessenten für den Eurofighter sind beispielsweise Brasilien, Griechenland, Rumänien und Katar. Die Chancen auf einen indischen Zuschlag sind durchaus aussichtsreich, nachdem die Regierung in Neu Delhi Angebote amerikanischer, russischer und schwedischer Hersteller in einer ersten Vorauswahl aussortiert hat. Der Eurofighter kämpft nun nur noch mit der französischen Rafale um den Zuschlag.

Kleinwaffen

G3 und G36

Kleinwaffen (Waffen, die von einer Person getragen und bedient werden können) machen wertmäßig nur einen kleinen Teil der deutschen Rüstungsexporte aus. Allerdings sind sie der tödlichste davon. Wie das Auswärtige Amt schreibt, verursachen sie „mehr Opfer als jede andere Waffenart“.[5] In Deutschland ist einer der weltweit „erfolgreichsten“ Hersteller von Kleinwaffen beheimatet: das Unternehmen Heckler & Koch in Oberndorf. Seit den 1950er Jahren produziert das Unternehmen aus Baden-Württemberg Pistolen, Sturmgewehre und Maschinengewehre. Zu den bekanntesten Produkten Heckler & Kochs zählen die Sturmgewehre G3 und G36. Das G3 wurde in den 1960er  Jahren als Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr eingeführt. Seit den 1990er  Jahren wird es durch das G36 ersetzt.

Beide Gewehre fanden und finden weltweit Absatz: Vom G3 und seinen technischen Ablegern wie der Maschinenpistole MP5 sind weltweit schätzungsweise 7 bis 10 Millionen Exemplare im Umlauf. In fast jedem Konfliktgebiet der Welt sind die Waffen aufzufinden, beispielsweise im Sudan, in Somalia, Afghanistan, Kaschmir, Myanmar und Mexiko.

Drei Faktoren haben diese Verbreitung befördert: 1. Eine großzügige Genehmigungspraxis der Bundesregierungen, 2. die weltweite Vergabe von Lizenzen zum Nachbau (z.B. an Iran und Pakistan) 3. die Langlebigkeit dieser Waffe, die zwischen 30 und 50 Jahren liegt.

Das G36 tritt nicht nur bei der Bundeswehr die Nachfolge des G3 an. Heckler & Koch exportiert es auch weltweit. Zu den bisherigen Beziehern zählen Mexiko, die Philippinen, Nepal, Lettland und Litauen. Lizenznehmer zum Nachbau sind heute bereits Spanien und Saudi-Arabien. Bei dem G36 droht eine ähnliche Verbreitung wie bei dem G3.

Lizenzen, Technologietransfer und Export von Waffenfabriken

Eine weitere „Spezialität“ der deutschen Rüstungsindustrie ist die Vergabe von Lizenzen und der einhergehende Technologietransfer, mitunter in Verbindung mit dem Aufbau kompletter Fabriken für die Herstellung von Waffen oder sonstigen Rüstungsgütern.

Bereits in den  1950er Jahren haben deutsche Unternehmen begonnen, in anderen Ländern Fabriken zur Fertigung von Waffen, Munition und sonstiger Rüstungsgüter aufzubauen. Schier grenzenlos sind solche Geschäfte mit Entwicklungsländern. Lizenzen und Fertigungslinien zum Bau von Sturmgewehren kauften beispielsweise Thailand, die Türkei und Mexiko. Munitionsfabriken bauten deutsche Spezialunternehmen u.a. in Birma, Sudan und Nigeria. Irak erhielt die Technik zur Herstellung und Abfüllung von weißem Phosphor zu militärischen Zwecken, Iran solche für Napalm, Pakistan zum Bau von Panzerabwehrraketen, Indien für Panzerstahl usw. Der umfassende Technologietransfer nach Pakistan und in den Iran führte dazu, dass Deutschland maßgeblich  zum Aufbau der jeweiligen Rüstungsindustrien beigetragen hat.

Die Gründe für die Genehmigung dieser Exporte seitens der Bundesregierung waren vielfältig: Stärkung der Verteidigungsfähigkeit eines Landes vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs, Belohnung eines Staates für die „richtige“ Haltung in Bezug auf die DDR oder auch ein generelles Interesse am ökonomischen Erfolg der Exporteure. Nicht zu unterschätzen ist, dass die Vergabe von Lizenzen und der Export von Spezialmaschinen politisch weniger sensibel war (und ist) als der Export von Waffen selbst: Der Verkauf von Kriegswaffen erzeugt ein wesentlich größeres Echo in der Öffentlichkeit als der Verkauf der Maschinen, mit denen man sie herstellt.

Off-Set Geschäfte

Weniger bedeutend als Grund für die Vergabe von Lizenzen waren bis in die 1980er Jahre so genannte Offset-Geschäfte. Diese Geschäfte sehen vor, dass ein Teil der bestellten Rüstungsgüter bzw. deren Komponenten im Käuferland gefertigt wird. Je nach Vertrag bezieht der Käufer somit nicht nur das Rüstungsgut, sondern auch die Technologie zu dessen Fertigung. Zudem spricht für Offset-Geschäfte aus Sicht der Empfänger , dass ein Teil der Wertschöpfung in seinem Land stattfindet. Offset-Geschäfte sind im Rüstungsexport der Gegenwart und Zukunft von größter Bedeutung. Zahlreiche große Rüstungsgeschäfte sind in letzter Zeit derart abgewickelt worden. Österreich kaufte den Eurofighter von (damals) EADS (heute Airbus Group) nur unter der Bedingung, dass Komponenten für das Kampfflugzeug in der Alpenrepublik gefertigt werden. Südkorea handelte mit TKMS aus, dass die bestellten U-Boote der Klasse 214 im Land endmontiert werden. Indien, einer der wichtigsten Waffenkäufer weltweit, hat sogar eine generelle Offset-Klausel eingeführt, die vorsieht, dass stets 30% der Wertschöpfung in Indien stattzufinden hat.

Die Vergabe von Lizenzen und der einhergehende Export von Spezialmaschinen wie der Aufbau ganzer Fertigungslinien zur Herstellung von Rüstungsgütern werden auch in Zukunft einen großen Anteil des deutschen Rüstungsexports ausmachen. Triebfeder dieser Geschäfte ist der Wunsch der Käufer nach Technologietransfer und der damit verbundenen nationalen Eigenständigkeit sowie das Ziel, Kosten zu senken, in dem ein Teil der Wertschöpfung in das eigene Land verlagert wird.

Komponenten

Die Internationalisierung der Rüstungsindustrie und die technische Komplexität moderner Rüstungstechnologie haben dazu geführt, dass viele Rüstungsgüter arbeitsteilig hergestellt werden und die dafür notwendigen Komponenten oft in verschiedenen Ländern gefertigt werden.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich Rüstungsunternehmen verstärkt internationalisiert, sei es durch Akquisitionen, Fusionen oder der Gründung von Tochtergesellschaften. Zweck der Internationalisierung ist die technologische und wirtschaftliche Basis zu verbreitern und Zugang zu neuen Absatzmärkten zu erhalten. In manchen Fällen zielt die Internationalisierung  bzw. die Gründung eines Tochterunternehmens auch darauf, die strengeren nationalen Exportrichtlinien zu unterlaufen, in dem das jeweilige Rüstungsgut in einem Land mit weniger strikter Exportgesetzgebung hergestellt  bzw. endmontiert wird. Die Internationalisierung der Rüstungsindustrie ist zum Teil auch Resultat politischer Bemühungen. Der europäische Rüstungskonzern Airbus Group (ehemals EADS) ist hierfür ein Beispiel.

Die Bundesrepublik nimmt beim Export von Komponenten einen vorderen Platz im internationalen Vergleich ein. Komponenten machen einen erheblichen Teil der deutschen Rüstungsexporte aus. Deutsche Motoren treiben beispielsweise Kriegsschiffe Myanmars, Chinas und Pakistans an. Unter anderem fahren die Panzer Malaysias, Weißrusslands und der Vereinigten Arabischen Emirate auf Ketten aus Deutschland. Der israelische Panzer Merkava 3 verfügt über ein deutsches Waffenricht- und Nachführsystem, über deutsche Getriebe und Motoren. Die Zielerfassungssysteme der amerikanischen Kampfhubschrauber Apache und der Kampfflugzeuge F-15 und F-16 enthalten deutsche Komponenten. Diese Aufzählung ließe sich endlos fortführen.

Die weltweite Verbreitung von deutschen Komponenten wird dadurch begünstigt, dass sie „dual-use-Güter“ bzw. sonstige Rüstungsgüter sind. Diese unterliegen zum größten Teil nicht der Genehmigungspflicht nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG), sondern der nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG). Im Gegensatz zum KrWaffKontrG folgt das AWG der Logik, dass der Gesetzgeber den Export grundsätzlich genehmigt, sofern nicht zwingende Gründe dagegen sprechen. Ein weiterer Grund für die enorme Verbreitung deutscher Komponenten liegt in einem Schlupfloch in den Endverbleibsbestimmungen. Rüstungsexporte werden generell nur nach Abgabe einer Endverbleibserklärung genehmigt. Davon sind Komponenten jedoch nicht betroffen, wenn sie keinen höheren Wertanteil am Endprodukt als 20% haben. Diese Regelung gilt bei Nato-Mitgliedern und Nato-gleichgestellten Staaten, bei anderen Staaten liegt die Schwelle bei 10%.[6]

Die globale Verpflechtung der Rüstungsindustrie und die unzureichende deutsche Exportkontrolle ermöglichen also die dramatische Verbreitung deutscher militärischer Technologie.


[1] http://www.kmweg.de/10819–~PRODUKTE~kettenfahrzeuge~leopard1~leopard-1.html

[2] Die Bundesmarine verfügt über vier Einheiten des Typs 212. Dieser ist etwas kleiner als die Klasse 214. Zwei weitere Einheiten sind bestellt und werden in den kommenden Jahren ausgeliefert. Neben Deutschland nutzt auch Italien den Typ 212.

[3] TKMS, Diehl und der norwegische Konzern Kongsberg Defence & Aerospace entwickeln zur Zeit das System IDAS (Interactice Defence and Attack System for Submarines) für die Boote der Klasse 212. Es soll die Bekämpfung von Zielen in der Luft ermöglichen. IDAS wird gegenwärtig bereits getestet. Technisch spricht dem Einbau von IDAS in die Boote der Klasse 214 nichts entgegen.

[4] Israel bezog bislang 3 U-Boote der Dolphin-Klasse aus Deutschland. Sie sind etwas größer als die Boote der Klasse 209. Zwei weitere Dolphin-Boote sind von Israel bestellt – diese werden über den außenluftunabhängigen Antrieb verfügen. Kritik an dem Export der Boote an Israel entzündete sich maßgeblich an deren vermuteten Fähigkeit, atomar bestückte Marschflugkörper abzuschießen.

[5] http://www.auswaertiges-amt.de/de/Aussenpolitik/Themen/Abruestung/MinenKleinwaffen/KleinLeichtWaffen.html

[6] http://dokumente.linksfraktion.de/drucksachen/19788_1703861.pdf

Top 5 – die größten deutschen Rüstungskonzerne im Vergleich

21. August 2012

Top 5 – die größten deutschen Rüstungskonzerne im weltweiten Vergleich

Airbus Group (ehemals EADS)


Im Jahr 2012 verkaufte der Konzern Airbus Group (damals EADS) Waffen und sonstige Rüstungsgüter im Wert von 15,4 Milliarden US$[1]. Damit ist Airbus Group der siebtgrößte Rüstungskonzern der Welt.

Airbus Group ist in drei Geschäftsbereiche gegliedert: Airbus, Airbus Defence and Space und Airbus Helicopters. Airbus Group betreibt europaweit zahlreiche Standorte; in Deutschland u.a. in Hamburg, Bremen, Donauwörth, Manching, Ulm, Ottobrunn und Kassel.

Zum 31.12.2013 befanden sich die Anteile an Airbus Group im folgenden Besitz: Deutschland hält über die KfW (83,96%) und andere öffentliche Körperschaften (16,04%) in der GZBV (Gesellschaft zur Beteiligungsverwaltung GZBV mbH & Co. KG) 10,94% , Frankreich über SOGEPA (

Société de
Gestion de Participations Aéronautiques

Société de Gestion de Participations Aéronautiques) 11,99% und Spanien über SEPI ( Sociedad Estatal de Participaciones Industriales) 4,13%. Der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz.

2013 wurden die Sparten des Unternehmen umstrukturiert, der Name EADS  in Airbus Group sowie u.a. im Rahmen  des „Multiparty Agreement“ und „Shareholders’ Agreement“ die Anteilseignerstruktur geändert. (2013 REPORT OF THE BOARD OF DIRECTORS OF EADS N.V. S.5)

Mit Ausnahme der zivilen Airbus-Sparte stellen alle Bereiche Rüstungsgüter oder militärisch anwendbare Produkte her. Cassidian baut u.a. Lenkflugkörper und Verteidigungselektronik. Die Sparte Eurocopter produziert Hubschrauber zur zivilen sowie zur militärischen Verwendung. Zu den neuesten Entwicklungen zählen der Kampfhubschrauber Tiger und der NATO-Helicopter 90 (NH 90). Airbus Military verkauft Tankflugzeuge auf der Basis der zivilen Airbus-Flugzeuge A 310 und A 330. Gegenwärtig entwickelt und erprobt Airbus auch den Militärtransporter A 400M. Astrium produziert u.a. militärische Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten.

Der Konzern setzt zunehmend auf den Export seiner Militärtechnologie. Saudi-Arabien bestellte  2010 bei (damals) EADS ein komplettes System zur Sicherung seiner Außengrenzen im Wert von mehreren Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren musste EADS bei seinen Exportbemühungen zwei herbe Rückschläge hinnehmen. Im Frühjahr 2011 entschied das US-Verteidigungsministerium nach einem langjährigen Bieterverfahren einen Auftrag über 179 Tankflugzeuge im Wert von rund 35 Milliarden US$ nicht an EADS, sondern an den Konkurrenten Boeing zu vergeben. Anfang 2012 unterlag EADS darüber hinaus mit dem Eurofighter Typhoon bei der indischen Ausschreibung für 126 Mehrzweckkampflugzeuge (Auftragswert über 10 Milliarden US$) dem französischen Konkurrenten Dassault Aviation, der die Rafale anbot.

Rheinmetall

Im Jahr 2010 fanden Waffen und sonstige Rüstungsgüter der Düsseldorfer Rüstungsschmiede im Wert von 2,66 Milliarden US$ Abnehmer weltweit. Rheinmetall erreichte damit Platz 31 unter den größten Waffenherstellern der Welt.

Der Konzern ist in zwei Bereiche unterteilt: Automotive, die zivile Sparte, und Defence. Beide Bereiche tragen ungefähr zur Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Allerdings trug die Rüstungssparte aufgrund des weltweiten Absatzeinbruchs im Automarkt in den vergangenen Jahren den wesentlich größeren Teil zum Gewinn bei. In Deutschland produziert Rheinmetall u.a. an den Standorten Bremen, Kiel, Kassel, Unterlüß, Oberndorf, Nürnberg und München

Die Rheinmetall AG befindet sich zu 75% in Streubesitz, die restlichen Anteile halten institutionelle Anleger wie z.B. DWS Investment, eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank.

Rheinmetall ist hauptsächlich im Bereich Heereswaffen tätig. Zu den bekanntesten Produkten der Düsseldorfer zählen der Kampfpanzer Leopard, der Schützenpanzer Marder, aber auch das Maschinengewehr MG3. Des Weiteren baut der Konzern Luftabwehr- und Radarsysteme. Im Jahr 2009 bestellte das Bundesverteidigungsministerium 410 Schützenpanzer des Typs Puma, dem Nachfolger des Marders, den Rheinmetall gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann herstellt. Der Auftrag hatte ein Volumen von 3,1 Milliarden €. Spekulationen, dass die Bundeswehr diese Stückzahl aufgrund ihrer Umstrukturierung und des Spardrucks nicht abnehmen könnte, materialisierten sich im Juli 2012. Das Bundesministerium der Verteidigung und die beiden Hersteller einigten sich auf eine Reduzierung der Bestellung auf 350 Stück. Rheinmetall beliefert die Bundeswehr auch mit Munition diverser Typen, die diese u.a. im Krieg in Afghanistan einsetzt.

Der Konzern richtete sich in den vergangenen Jahren verstärkt international aus. Hierfür wurden weltweit eine Reihe von Rüstungsunternehmen aufgekauft. Rheinmetall übernahm beispielsweise im Jahr 2008 den südafrikanischen Munitionshersteller Denel Munition. Dadurch verschaffte sich der Konzern verstärkten Zugang zu den Absatzmärkten in Afrika und im Mittleren Osten, die Denel traditionell beliefert.

Gegenwärtig baut Rheinmetall in Algerien eine Lizenzproduktion des Transportpanzers Fuchs auf.

Krauss-Maffei Wegmann

Krauss-Maffei Wegmann (KMW) erlöste mit dem Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern im Jahr 2010 1,59 Milliarden US$. Damit ist KMW der 52. größte Waffenhersteller der Welt.

KMW ist nicht börsennotiert. Der Konzern befindet sich im Privatbesitz. Maßgebliche Anteilseigner sind die Familien Bode und von Braunbehrens.

KMW ist zusammen mit Rheinmetall der bedeutendste Lieferant für die Bundeswehr im Bereich der Heereswaffen. Der Konzern produziert u.a. den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, den Schützenpanzer Puma, den Panzerspähwagen Fennek und die gepanzerten Transporter Dingo und Boxer. Die Bundeswehr setzt im Krieg in Afghanistan u.a. den Dingo, aber auch die Panzerhaubitze ein.

KMW war und ist äußerst aktiv im Export seiner Produkte. Die Kampfpanzer Leopard 1 und 2 wurden in zahlreiche Länder exportiert. Beispielsweise haben Chile, Griechenland, die Türkei und Kanada den Leopard 2 in ihrem Arsenal. Gegenwärtig sind u.a. die Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar am Erwerb des Leopard 2 interessiert. In früherer Zeit hatten die Bundesregierungen mit Rücksicht auf Israel die Genehmigung eines solchen Exports in die Krisenregion verweigert.

Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp verkaufte im Jahr 2010 Waffen und sonstige Rüstungsgüter im Wert von 1,34 Milliarden US$. Thyssen-Krupp nimmt damit Platz 56 in der Liste der weltweit größten Waffenhersteller ein. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält 25,33% des Grundkapitals, weitere institutionelle Anleger halten knapp 55%, Privatanleger 10%. Weitere rund 10% sind eigene Aktien. Das Unternehmen entstand im Jahr 1999 aus der Fusion der Konzerne  Thyssen und Krupp. Beide produzierten bereits vor der Fusion seit Jahrzehnten Waffen – hauptsächlich Heereswaffen bzw. Komponenten für diese.. Heute erzielt der Konzern jedoch den größten Teil seines Umsatzes im Waffengeschäft mit Kriegsschiffen, die die im Jahr 2005 gegründete Tochtergesellschaft ThyssenKrupp Marine Systeme (TKMS) baut. Zu TKMS gehören die deutschen Werften Blohm und Voss in Hamburg, Nordseewerke Emden und die Howaldtswerke (HDW) in Kiel. Weiterhin befindet sich der schwedische Marineschiffbauer Kockums im Besitz von TKMS.

TKMS baut Über- und Unterwasserschiffe sowohl für die Bundesmarine wie auch für den Export. Zu den maßgeblichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zählen die U-Boote der Klasse 212/214, die Fregatten der Klassen 124 und 125 sowie die Korvetten der Klasse 130 und 131. Insbesondere die U-Boote haben sich als „Exportschlager“ erwiesen. Von der Klasse 214 haben Griechenland sechs, die Türkei ebenfalls sechs und Südkorea neun Boote bestellt.

Zwei Exportvorhaben von TKMS zogen in den letzten Jahren besondere Kritik auf sich: der Verkauf von sechs Booten der Dolphin-Klasse an Israel und der beabsichtigte Export von drei Booten der Klasse 214 nach Pakistan. Die Kritik an dem Israel-Geschäft entzündete sich an der Fähigkeit der Boote, atomar bewaffnete Marschflugkörper abzufeuern, was diese U-Boote zu einer atomaren Zweitschlagswaffe macht. Über diese technische Fähigkeit könnten auch die U-Boote verfügen, die TKMS beabsichtigt, an Pakistan zu verkaufen. Neben der generellen Gefahr, die von einer solchen Fähigkeit ausgeht, droht die Lieferung solcher Einheiten den Rüstungswettlauf zwischen Indien und Pakistan zu verschärfen. Kritiker betonen darüber hinaus, dass dieses Geschäft mit einem hohen Risiko für die deutschen Steuerzahler verbunden ist: Dieser bürgt nämlich dafür in Form einer Hermes-Kreditausfallversicherung, die die Bundesregierung für das TKMS-Verkaufsvorhaben ausgestellt hat. Ob der Verkauf der drei U-Boote an Pakistan letztlich realisiert wird, ist mittlerweile äußerst fraglich.

Im Oktober 2010 unterzeichnete ThyssenKrupp eine Absichtserklärung mit Abu Dhabi MAR, einer Gesellschaft aus Abu Dhabi: Die Parteien beabsichtigten die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zum Bau von militärischen Überwasserschiffen. Gleichzeitig kam man überein, dass Abu Dhabi Mar 80% von Blohm und Voss Shipyards, Blohm und Voss Repair und Blohm und Voss Industries erwirbt.Im Juli 2011 zerschlugen sich die Verkaufs- und Kooperationspläne jedoch. TKMS verkaufte schließlich den zivilen Teil seiner Werftaktivitäten an die britische Star Capital Partners und betreibt den militärischen nun alleine weiter.

Diehl Defence

Die Diehl Defence erlöste mit dem Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern im Jahr 2010 1,21 Milliarden US$. Damit ist der Konzern auf Platz 63 der Waffenhersteller der Welt. Hauptsächlich stellt die militärische Sparte der Diehl-Gruppe, die auch zahlreiche zivile Produkte produziert, Lenkflugkörper und Munition sowie Abwehrsysteme für Flugzeuge und Landsysteme her. Die Diehl-Gruppe ist vollständig im Besitz der Familie Diehl. Der Konzern produziert in Deutschland an den Standorten Überlingen, Nürnberg und Nonnweiler bei Saarbrücken.

Lenkflugkörper und Munition des Konzerns gehören zur Standardausstattung der deutschen Streitkräfte. U.a. wird der Eurofighter mit der Diehl-Entwicklung Iris (als Luft-Luft-Rakete und als Luft-Boden-Rakete) bewaffnet. Für die Panzerhaubitze 2000 liefert Diehl die Munition SMArt 155mm und für den Kampfhubschrauber Tiger die Panzerabwehrrakete PARS 3 LR. Gegenwärtig entwickelt der Konzern den Flugkörper IDAS, die es U-Booten ermöglichen soll, Luftziele zu bekämpfen. Ebenfalls in der Entwicklung befindet sich das Superkavitationstorpedo Barracuda.

Diehl Defence ist global präsent, u.a. beliefert der Konzern Indien und Pakistan und zahlreiche Staaten in Europa.

(Stand: August 2012)


[1] Diese Angabe wie auch die folgenden zum Verkauf von Waffen und sonstigen Rüstungsgütern durch deutsche Rüstungskonzerne sind dem SIPRI-Jahrbuch 2012 entnommen: The SIPRI Top 100 arms-producing companies worldwide excluding China, 2010. S.251-256.